Hast du Probleme oder Herausforderungen in deinem Leben? Wenn Nein, dann ist dieser Artikel nichts für dich. Wenn Ja, dann könntest du durch das Weiterlesen eine neue Perspektive darauf bekommen – und neue Wege im Umgang könnten sich am Horizont abzeichnen.
Die Integrale Theorie ist ein mächtiges Bewusstseins-Werkzeug. Wenn du dich ganz praktisch mit ihren Grundelementen auseinandersetzt (Quadranten, Ebenen, Linien, Typen und Zustände), dann fördert sie dich stark darin, unterschiedliche Perspektiven auf ein Phänomen, eine Sache – oder eben ein Problem einzunehmen. Die Ursache für viele Probleme, die du noch hast, liegt darin, dass du noch nicht aus der passenden Perspektive auf die Herausforderung geschaut hast und deshalb die Lösung nicht sehen kannst.
In diesem Artikel zeigen wir dir, wie du mit Hilfe des Quadrantenmodell (ein zentraler Teil der Integralen Theorie) auf eigene Probleme und Herausforderungen schauen kannst. Du erweiterst damit deine Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und lernst einen hilfreichen Ansatz im Selbst-Coaching. Los geht’s!
Das Quadrantenmodell kurz erklärt
Das Quadrantenmodell kannst du dir wie einen Kompass vorstellen, der durch 4 Unterscheidungen jedes Phänomen in 4 Dimensionen unterteilt. Auf der einen Achse wird Innen und Außen unterschieden, auf der anderen Individuell und Kollektiv/Systemisch. Daraus ergibt sich ein Bild von 4 Quadranten, die jeweils einen anderen Raum oder eine andere Dimension von Phänomenen beschreiben. (siehe Abbildung 1).
Von allen Phänomenen (und dazu gehören auch deine Probleme und Herausforderungen) gibt es einen individuellen und einen kollektiven Aspekt. Der Individuelle Aspekt unterteilt sich nochmals in Innen und Außen:
- Das Innere sind erfahrbare individuelle Phänomene – also Gedanken, Emotionen, persönliche Werte, deine Ich-Entwicklung, deine subjektive Sicht und Erfahrung.
(Quadrant Links-Oben – Ich-Raum) - Das Äußere des Individuellen sind objektiv beobachtbare Phänomene: also z.B. dein physischer Körper mit all seinen Vorgängen, deine gezeigten Verhaltensweisen und deine Skills.
(Quadrant Rechts-Oben – Es-Raum)
Die kollektive Dimension bezieht sich darauf, dass es dich nie alleine gegeben hat und nie alleine geben wird – du bist immer Teil von Systemen und wirst es auch immer bleiben. Das ist die systemische/kollektive Dimension von dir und deinen Herausforderungen. Auch hier gibt es wieder ein Innen und Außen des Systemischen.
- Das Innen ist die erfahrbare Kultur des jeweiligen Systems – also z.B. die Kultur und die Werte deiner Herkunftsfamilie oder deines Freundeskreises, gemeinsames Verständnis, gemeinsame Bedeutungen, Beziehungsqualität, ein Wir-Gefühl.
(Quadrant Links-Unten, Wir-Raum) - Das Außen des Systemischen sind dann die sichtbaren und beobachtbaren Ausdrücke davon: die Kontexte, in denen du dich bewegst, dein privates Umfeld, deine Herkunft, dein Wohnort und Land, dein berufliches Umfeld (z.B. wie dein Büro aussieht, wo es gelegen ist, wie die technische Ausstattung ist, wo du im Organigramm deiner Organisation stehst).
(Quadrant Rechts-Unten, Sie-Raum)

Problemforschung mit dem Modell
Wenn wir nun mit dem Quadrantenmodell auf Problemforschung gehen, dann ist es wichtig zu verstehen, dass jedes Problem alle diese 4 Aspekte zugleich hat. Man sagt auch: Es gibt nur Tetra-Ereignisse, die sich in allen 4 Quadranten ausprägen oder eine Entsprechung dort haben. Also: Jedes Problem und jede Herausforderung hat innere und äußere, individuelle und systemische Anteile.
Um ein Problem genauer zu untersuchen, kannst du dir zwei grundlegende Fragen stellen:
- Wo zeigt sich dein Problem vor allem (in welchem Quadranten)?
- Und in welchem Quadranten liegt seine Ursache?
Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Fragen ist wichtig! Denn nur, weil sich eine Herausforderung in einem der Quadranten vor allem zeigt, muss das noch lange nicht heißen, dass die wichtigste Ursache auch dort liegt.
Ein Beispiel: Angenommen, du würdest dir eine Partnerschaft wünschen und findest aber bereits seit mehreren Jahren einfach keinen passenden Partner. Kürzere Liebschaften gibt es schon, aber immer wenn es ernst wird, ist es auch wieder vorbei.
1. In welchem Quadranten zeigt sich das Problem vor allem?
Exemplarisch könnte sich dein Problem in den verschiedenen Quadranten wie folgt äußern:
- Individuell Innen: Du spürst Sehnsucht, du fühlst dich alleine und das schmerzt dich.
- Individuell Außen: Du hast körperliche Symptome (in welcher Form auch immer).
- Systemisch Innen: In deinem Freundeskreis sind fast nur Paare, und du stehst etwas alleine da oder bekommst schon fortlaufend Fragen, wann du denn mal endlich unter der Haube bist?
- Systemisch Außen: Deine Wohnung ist eigentlich zu teuer und groß für dich alleine und ein Partner wäre gut, um dort gemeinsam zu wohnen.
2. In welchem Quadranten könnte die Ursache für das Problem liegen?
Typischerweise gibt es einen Quadranten, in dem es einen besonders großen “Hebel” gibt, um deine Herausforderung anzugehen. An diesen Hebel kommst du heran, wenn du dir tiefere Gedanken über die Ursachen deiner Herausforderung machst. In der Grafik unten sind Vorschläge und Ideen eingetragen, was Ursachen in den Quadranten für eine unglückliche Partner-Suche sein könnten.

Wichtig ist auch bei den Ursachen zu beachten: Die Quadranten bedingen sich gegenseitig – jedes Ereignis ist ein Tetra-Ereignis.
Wenn du noch mit deinem Herkunftssystem verstrickt bist (systemisch-Innen) und dadurch Beziehungen so angehst wie beispielsweise dein Vater, dann wird sich das auf dein Selbstwertgefühl und deine Glaubenssätze (Individuell-Innen) auswirken und auch auf die Skills, die du dir bisher aufgebaut hast und auf dein Verhalten (Individuell-Außen) sowie auf die äußeren Systeme, in denen du dich bewegst.
Mit Komplexität umgehen lernen
Probleme, die man hat – insbesondere die besonders hartnäckicken – haben in der Regel ein komplexes Ursachen-Gefüge, bei dem es notwendig ist, den eigenen Blickwinkel um viele weitere Perspektiven zu erweitern, um eine angemessene Sicht zu erlangen. So können die “wahren” Ursachen erkannt und ein passender Umgang gefunden werden. Das Quadrantenmodell aus der Integralen Theorie ist ein guter Ansatzpunkt für Selbstreflexion und die Erweiterung der eigenen Perspektive.
Manchmal kann es unter der eigenen Betriebsblindheit schwierig sein, durch den Wirrwarr an Perspektiven die wirklichen Ursachen zu entdecken. Dann kann es gut sein, dir ein Gegenüber zu suchen, mit dem du auf Forschung gehst – z.B. in einem Coaching oder mit einem guten Freund.
Welche Erkenntnisse hat dir der Artikel gebracht? – Schreib es gerne in die Kommentare!




0 Comments