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Zyklische Selbstfürsorge – Warum wir als Frauen andere Arbeitsstrukturen brauchen als Männer

31. March 2025

Die Herausforderung für Frauen, ihre Weiblichkeit in der heutigen Zeit zurückzuerobern, liegt unter anderem darin, dass viele gar nicht wissen, wie eine gesunde Weiblichkeit eigentlich aussieht. Wir haben gelernt, die traditionellen Rollenbilder der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg abzulehnen. Gleichzeitig vermittelte der Feminismus lange Zeit die Botschaft, dass Frauen genauso sein können – und sollen – wie Männer.

Aktuelle Auseinandersetzungen mit Weiblichkeit bewegen sich daher in einem Spannungsfeld: Wie finden wir eine gesunde Weiblichkeit, die weder alte Rollenbilder bedient noch Frauen zwingt, männliche Qualitäten anzunehmen, um in einer Welt zu „funktionieren“, die nach männlichen Bedürfnissen aufgebaut ist?

Männer kommen von der Sonne, Frauen vom Mond?

Nehmen wir das klassische Arbeitsmodell mit seinem linearen, täglichen Leistungsanspruch: Es ist an den hormonellen Zyklus von Männern angepasst – einen 24-Stunden-Rhythmus.

Im typischen männlichen Testosteronzyklus:

  • ist die Energie am Morgen am höchsten,
  • nimmt über Mittag leicht ab,
  • erreicht am Abend ihren Tiefpunkt und
  • regeneriert sich über Nacht für den nächsten Tag.

Das gängige Arbeitsmodell mit einer 8- bis 10-stündigen Arbeitszeit, Meetings am Morgen, Entscheidungsdruck tagsüber und Ruhe am Abend folgt genau diesem Muster.

Frauen hingegen haben einen monatlichen Zyklus (ca. 28-31 Tage), wodurch sich ihre Energielevel und Bedürfnisse über vier Phasen hinweg verändern:

1️. In der Follikelphase (ca. Tag 5-14, nach der Menstruation) steigt das Östrogen an. Das bedeutet: mehr Energie, Fokus und Kreativität. Jetzt ist eine gute Phase für Planung, Strategie, soziale Aktivitäten.

2️. Die Ovulationsphase (um Tag 14-16, Eisprung) ist der höchste Energiepunkt bei Frauen. Jetzt sind sie stark in derKommunikation, Durchsetzungsfähigkeit und Klarheit. Diese Phase eignet sich für große Präsentationen, Networking und wichtige Verhandlungen.

3️. Mit der Lutealphase (ca. Tag 17-28, Vorbereitung auf die Menstruation) steigt das Progesteron steigt. Das erhöht das Bedürfnis nach Rückzug und der Fokus geht mehr auf Emotionale Themen. Das analytisches Denken kann schwerer fallen und die Kreativität geht nach innen.

4️. Während der Menstruation (Tag 1-5) ist die Energie am niedrigsten und das Bedürfnis nach Ruhe und Reflexion wird groß. Es ist eine ideale Phase für Innenschau, Planung, Neuausrichtung.

Das Problem: Von Frauen wird in einem männlichen 24-Stunden-System erwartet, jeden Tag gleich zu funktionieren – obwohl ihre Energie zyklisch ist. PMS, Energieschwankungen oder emotionale Phasen werden als „unprofessionell“ abgewertet, weil sie nicht ins lineare Leistungsmodell passen.

Der verinnerlichte Druck, „männlich“ zu arbeiten

Ich kenne aus eigener Erfahrung, wie stark dieser Druck ist. Schon in der Schule lernen wir, dass jeder Tag gleich ablaufen soll – unabhängig davon, wie wir uns fühlen. Später im Berufsleben setzen sich diese starren Strukturen fort.

Aber: So schwierig es auch ist, die äußeren Umstände zu ändern, können wir als Frauen lernen, mit unserem Zyklus zu arbeiten, statt gegen ihn.

Oder, um es mit den Worten von Audre Lorde zu sagen:


„Sich um mich selbst zu kümmern ist keine Selbstverwöhnung, sondern Selbstbewahrung – und das ist ein Akt politischen Widerstands.“

Ein System, das nach männlichen Bedürfnissen aufgebaut ist, erwartet von Frauen, darin „zu funktionieren“ – und damit ihre eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen. Sich als Frau an erste Stelle zu setzen, Grenzen zu setzen und den eigenen Rhythmus zu respektieren, ist daher ein Akt des Widerstands gegen ein System, das nicht für Frauen gemacht wurde.

Wie wir uns besser um uns selbst kümmern können

In einem Moment großer Überforderung – als ich versuchte, auf „männliche“ Art zu arbeiten, obwohl ich mich völlig erschöpft fühlte – entwickelte ich mit meinem Coach eine Methode, um zyklische Selbstfürsorge im Alltag umzusetzen.

Damit kann ich in Momenten der Überforderung in vier Schritten einen guten Weg finden, für mich zu sorgen:

1️. Bestandsaufnahme:

  • Wo stehe ich aktuell in meinem Zyklus? In welcher Phase bin ich?
  • Welche Anforderungen stellt mein Leben gerade an mich?

2️. Zyklus & Anforderungen abgleichen:

  • Was geht mit meinem aktuellen Energielevel? Was nicht?
  • Wie kann ich beides vereinen – und was brauche ich dafür?
  • Oder: Was hat Priorität? Was kann ich weglassen?

3️. Realistische Selbsteinschätzung:

  • Was kann ich gerade gut leisten – und was nicht?
  • Ist meine Erwartungshaltung an mich selbst realistisch?

4️. Neue Möglichkeiten entdecken:

  • Jede Einschränkung birgt die Chance für einen neuen Weg.
  • Wie kann ich aus dieser Situation lernen und meinen Alltag künftig zyklischer gestalten?

Mit dem Zyklus arbeiten statt dagegen

Für mich bedeutete das in der Situation zum Beispiel: Ich darf die Erwartung loslassen, dass ich während meiner Menstruation genauso produktiv sein kann wie während des Eisprungs. Natürlich kann ich an guten Tagen hochproduktiv und kreativ sein – aber dieses Leistungshoch als Maßstab für den ganzen Monat zu setzen, ist unrealistisch. Stattdessen frage ich mich: Wie kann ich mit dem arbeiten, was da ist – statt gegen meinen Zyklus anzukämpfen?

Ich lerne anzuerkennen, dass ich als Frau anders funktioniere als die Männer in meinem Umfeld – und dass meine Art zu arbeiten genauso wertvoll ist.

von Julia

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